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Ausgabe März 2017
Eine Reise zur Leichtigkeit


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© minicel73 – Fotolia.com

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Ein Mann steht am Fenster. Nach der Begegnung mit einem Zaubervogel geht er auf Wanderschaft, um den Vogel zu suchen. Auf seiner Reise begegnet er Menschen, die ihn daran erinnern, was im Leben wirklich wichtig ist.
Wir drucken einen kleinen Auszug mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

„Der Mann näherte sich einem Städtchen. Dort sah er ein Mädchen, das seine Staffelei auf dem Marktplatz aufgestellt hatte und malte. Er beobachtete das Mädchen aus einer gewissen Distanz. Bald fiel ihm auf, dass ein Herr in Anzug dem Mädchen über die Schulter linste. Immer näher kam jener Herr, ohne dass sich das Mädchen aus der Ruhe bringen ließ – selbst als er die Hände auf ihre Schulter legte. „Lass mich arbeiten, Vater.“ Das Mädchen drehte sich um. „Was malst du?“ „Die Stadtmauer, die Hängebuche und den Marktplatz.“

Der Vater kniff die Augen zusammen und zog seinen Kopf zurück. „Aber das, was du malst, ist doch weder die Stadtmauer noch die Hängebuche noch der Marktplatz.“ „So sehe ich es“, sagte das Mädchen und drehte den Pinsel auf der Palette aus. Der Vater sah sich nochmals das Gemälde an und schüttelte den Kopf. „Ich erkenne weder das eine noch das andere.“ „Du siehst die Dinge mit deinen Augen, und ich sehe sie mit meinen“, antwortete das Mädchen und malte weiter. Der Vater machte ein paar Schritte quer über den Marktplatz, die Arme mit gefalteten Händen hinter dem Rücken, und steuerte wieder auf seine Tochter zu. „Was du gestern gemalt hast, ist schöner.“ „Wenn du etwas siehst, was dir gefällt, heißt das nicht, dass es besser ist als etwas anderes“, sagte das Mädchen. „Es heißt nur, dass du es mehr magst als das andere. Wenn du das Bild von gestern schöner findest, bedeutet das nicht, dass irgendetwas speziell daran ist. Es sagt nichts über das Bild aus, sondern nur über dich.“ Der Vater beugte seinen Kopf vor. Er ließ nicht locker. „Soll das die Hängebuche sein?“ Er zeigte mit dem Finger auf einen grünen Fleck. „Ja.“ „Aber wenn das die Hängebuche sein soll, dann stimmen die Relationen nicht. Sie ist doch viel größer und ragt weit über die Stadtmauer hinaus. Ich nehme an, dieser graue Fleck hier“ – er deutete wieder auf das Bild – „soll die Stadtmauer sein.“ Das Mädchen schwieg. „Warum malst du die Blumen, die entlang der Stadtmauer wachsen, so groß wie die Hängebuche?“ „Wenn ich die Buche hervorhebe, treten die anderen Dinge, die auch schön sind, in den Hintergrund. So wie diese Blumen hier“, sagte das Mädchen und grinste. Stimmt, dachte der Mann, der noch immer in die Szene vertieft war. In Wahrheit gibt es weder den Vordergrund noch den Hintergrund. Dinge, die uns etwas bedeuten, stellen wir in den Vordergrund, und diejenigen, die uns zu diesem Zeitpunkt bedeutungslos erscheinen, rücken wir in den Hintergrund. Es gibt nicht die Bedeutung, es gibt nur die Bewertung – und die ist abhängig vom Betrachter. Und es gibt den Vergleich, der uns daran hindert, das Besondere in jedem Ding für sich wahrzunehmen. Vergleichen und Bewerten hält uns davon ab, die Welt so zu sehen, wie sie ist. Nichts ist gut oder schlecht. Keine Sache der Welt hat jenseits unserer Bewertungen Eigenschaften.“

Buchtipp: Clara Maria Bagus: Vom Mann, der auszog, um den Frühling zu suchen – eine Reise zur Leichtigkeit. Allegria, Berlin, 2016, 208 Seiten, 14 Euro


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