aktuelle Seite: ARTIKEL   
Ausgabe März 2016
Mit Heilpflanzen durch das Jahr 2016. 03: Der Hopfen - nicht nur gut im Bier...

Beitragsreihe von Cornelia Titzmann, Heilpraktikerin und Dozentin für Phytotherapie

Strobuli Humuli Lupuli...die Zapfen des Hopfens. So heißt die Medizinaldroge im Fachjargon. Der Hopfen gehört zu den Hanfgewächsen, den Cannabaceae. Lange schon wird die rankende, klebrige, anhaftende Kletterpflanze kultiviert. Sie ist zweihäusig, also es gibt männliche und weibliche Pflanzen und nur die Weiblichen bilden die Zapfen oder Ähren, welche genutzt werden. Bis zu 6 Meter lang können die Triebe werden. Ihre grünen Blätter sind auf den ersten Blick den Weinblättern ähnlich, aber spätestens beim Anfassen merkt man den Unterschied. Kleine raue Klebhaare zieren ihren Stängel. Besonders im Süden Deutschlands sieht man ganze Hopfenfelder, auf Gestängen angepflanzt, und die Menschen muten beim Ernten wie Astronauten in ihren Schutzanzügen an. Der direkte Hautkontakt mit den Harzen der Zapfen kann ein Hautekzem hervorrufen, deshalb die Schutzkleidung. Spätestens seit das Bilsenkraut zum Bierbrauen nicht mehr üblich ist, wird der bittere Hopfen verwendet. Er gibt dem Bier den Geschmack und auch eine gewisse Haltbarkeit. Seine Östrogen ähnliche Wirkung hat aber auch Nachteile. Bei zu intensivem Genuss des Bieres führt es bei Männern zur sogenannten „Gynäkomastie“, zum Wachsen der Brust wie die einer Frau, und er soll den „Bierbauch“ fördern. Die Inhaltsstoffe sind - neben dem Bitterstoff Humolon - Lupulinsäure, ätherische Öle und Polyphenole.
Die medizinische Anwendung ist breit. Einerseits wird die Pflanze zur Beruhigung verwendet, denn sie fördert den Schlaf, bekämpft Nervosität und wirkt entspannend. Zum anderen stärkt sie durch ihren Bitterstoffanteil den Magen und die Verdauung. Sie wird gegen Übelkeit eingesetzt, besonders in der Schwangerschaft (Achtung geringe Dosierung!) und bei Reiseübelkeit. Die hormonaktivierenden Eigenschaften wirken sich regulierend auf den Menstruationszyklus aus, fördern die Fruchtbarkeit der Frauen und die Milchbildung nach der Geburt. Die Pflanze wirkt appetitanregend und stärkend. Sie wird als Tee meist in Mischungen getrunken, es gibt sie als Tinktur, Extrakt und als Standartpräparat, auch mit anderen Pflanzen zusammen, in der Apotheke.
Zur Beruhigung wird sie gerne mit Baldrian kombiniert.
Eine Delikatesse stellen die jungen Sprossen dar. Sie werden im Frühjahr geerntet und kurz in Salzwasser blanchiert. Sie können mit wenig Zitrone und Olivenöl beträufelt werden. Nur leicht oder gar nicht salzen. Ihr Geschmack erinnert ein wenig an grünen Spargel.

Anwendungstipp:
Bei Schwäche, Appetitlosigkeit und Schlafstörungen: Abends ein halbes Bier erwärmen und vor dem zu Bett gehen trinken. Soll auch gegen beginnende Erkältungen helfen und Erschöpfungssymptomen sowie Beschwerden im Klimakterium entgegen wirken. Achtung – wegen des, wenn auch geringen, Alkoholanteils nicht als Daueranwendung geeignet.

Die Autorin Cornelia Titzmann ist Dozentin für Phytotherapie und Heilpraktikerin in eigener Praxis, facebook: Naturheilpraxis Cornelia Titzmann


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.