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Ausgabe März 2016
Die Süße des Lebens. Von Mary Dräger und Karoline Franksen

zum Thema Ernährung

Wenn Menschen über ihre Ernährung sprechen, geht es oft darum, dass sie zu viel Süßes essen und wie schwer es für sie ist, dies zu ändern. Viele Menschen leiden unter einem regelrechten „Hieper“ auf Süßigkeiten, unter Heißhungerattacken und unter den Folgen: Durch häufiges Naschen steigt das Gewicht, besonders am Bauch und um die Taille bilden sich Pölsterchen. Man fühlt sich in der eigenen Haut nicht mehr wohl, sondern zunehmend erschöpft, gereizt, ausgezehrt.

Der süße Geschmack – wer assoziiert damit noch den herrlichen Geschmack von Hirse, gedämpftem Kürbis oder reifem Obst?

Zumeist verbinden wir mit der Idee, uns etwas Süßes zu gönnen, Zuckerwaren oder süßes Gebäck. Zucker jedoch ist ein Konzentrat. Er besteht aus leeren Kalorien ohne jegliche Vitalstoffe. Was an der Ursprungspflanze, der Zuckerrübe gesund war (Vitamine, Mineralien, sekundäre Pflanzenstoffe und Faserstoffe), wird entfernt und übrig bleibt „reiner Zucker“.

Dennoch hat sich der Konsum von Haushaltszucker in den letzten hundert Jahren vervielfacht. Er liegt seit etwa drei Jahrzehnten bei durchschnittlich etwa 45 kg pro Person und Jahr. Was macht Zucker für uns so attraktiv?
Zunächst einmal signalisiert der süße Geschmack unserem Körper, dass eine nahrhafte Speise vorliegt, denn unsere Grundnahrungsmittel schmecken mild süß. Es sind Getreide, vollwertige Getreideprodukte und Gemüse, ergänzt durch kleine Mengen an Hülsenfrüchten, Kräutern, Sprossen, Salaten, reifem Obst, Trockenfrüchten, Nüssen, guten Ölen, Butter, Ghee, eventuell gelegentlich Fleisch, Fisch und Milchprodukte. Dabei unterscheidet unser Körper nicht, ob es sich bei der süßen Speise um ein vollwertiges Lebensmittel handelt, denn er nimmt alles Süße gerne auf.
Hinzu kommt eine Nebenwirkung des Insulins: Getreide und Gemüse enthalten langkettige Kohlehydrate (Stärke), die im Dünndarm zu Glukose gespalten werden und dann nach und nach ins Blut aufgenommen werden – die Glukose aus Stärke sickert allmählich ins Blut. Damit kann unser Körper umgehen, das hat er in unserer Entwicklungsgeschichte gelernt.
Im Zucker dagegen liegen die Kohlehydrate bereits in kleinster Form vor und gelangen direkt vom Dünndarm in den Körper – die Glukose schießt ins Blut. Auf den plötzlichen starken Anstieg der Glukose im Blut reagiert der Körper mit Alarm und schüttet sehr viel Insulin aus, welches wie ein Schlüssel die Zellen öffnet, damit sie möglichst schnell die Glukose aus dem Blut aufnehmen. Jetzt tritt eine Nebenwirkung der hohen Insulinausschüttung ein: Sie hebt den Serotoninspiegel in unserem Gehirn. Dies bemerken wir als Stimmungsaufhellung. Deshalb sagt man, dass Schokolade glücklich macht. Und kurzfristig betrachtet stimmt das auch.
Langfristig gesehen überwiegen allerdings eindeutig die Nachteile: Erstens bauen die Zellen den Überschuss an Glukose in Fett um und es bilden sich die bereits erwähnten Speckpölsterchen. Zweitens nehmen die übersättigten Zellen irgendwann keine Glukose mehr auf – eine Ursache für erhöhten Blutzuckerspiegel und Diabetes. Drittens erschöpft infolge der häufigen Belastungsspitzen allmählich die Bauchspeicheldrüse und bildet immer weniger Insulin. Früher oder später kommt es so zum Diabetes mit zahlreichen Risiken für unsere Gesundheit.
Kurzweilig ist der angenehme Effekt von Süßigkeiten auch, weil er ins Gegenteil umschlägt: Das im Blutzucker-Alarm produzierte Insulin befördert mehr Glukose aus dem Blut in die Zellen als wir zu uns genommen haben, und nach etwa einer Stunde kommen wir in eine Unterzuckerung. Diese äußert sich in Müdigkeit, Gereiztheit und einem starken Bedürfnis nach – Zucker. Durch Wiederholung entsteht eine Achterbahnfahrt im Stoffwechsel, die sich auf unsere Emotionen überträgt und sich in scheinbar unbegründeten Stimm- ungswechseln ausdrücken kann.

Wie können wir aus diesem
Karussell aussteigen?

Das Frühstück ist eine gute Gelegenheit, einen gesunden Impuls für den Stoffwechsel zu setzen. Sinnvoll ist ein Frühstück, das uns über den Vormittag hin gleichmäßig anhaltend sättigt und mit Energie versorgt. Einen guten Start in den Tag geben wir uns mit einem warmen Frühstücksbrei aus gekochtem Getreide, Getreideflocken oder -grieß, der mit Gewürzen, Butter, Ghee oder Kokosöl, Nüssen, Sesam, Leinsaat und gedünstetem Obst oder Trockenfrüchten abgerundet werden kann. Eine herzhafte Variante ist das Azidose-DetoxTM-Frühstück mit grünem Salat, gedämpften Pellkartoffeln und Gemüse, ergänzt durch Leinöl, Butter, Nüsse, Kräuter, gemahlenem Sesam mit etwas Meersalz (Gomasio) sowie nach Belieben Sojasauce und Zitronensaft, die nachhaltig sättigen, gleichzeitig reich Mineralien sind und unseren Säure-Basen-Haushalt entlasten. Für eine gegebenenfalls nötige Zwischenmahlzeit eignen sich Trockenfrüchte mit Nüssen. Wenn unsere Grundernährung stimmt, können wir auch gelegentliche Leckereien gut integrieren – und genießen.

Die alternativen Süßungsmittel wie Dicksaft, Sirup, Honig, Birkenzucker (Xylitol) und Erythritol sind wie Zucker für den ständigen Gebrauch zu intensiv und nur als Gewürze zu empfehlen. Es geht darum, unsere Geschmacksinne zu erholen und wieder Genuss an den natürlichen Lebensmitteln zu finden. Diese nähren uns auch auf einer subtilen energetischen Ebene. Im Ayurveda und der Chinesischen Medizin heißt es, sie stärken „die Mitte“, geben uns Stabilität und Substanz. Arbeiten die Organe der Mitte (Magen, Milz und Dünndarm) harmonisch, entstehen Zufriedenheit, Freundlichkeit und Mit-gefühl. Bei einer Disharmonie neigen wir zu negativer Emotionalität, z.B. zu Gereiztheit und Ungeduld.

Betrachten wir die natursüßen Grundnahrungsmittel genauer:

Unter dem Aspekt der Säure-Basen-Balance sollten wir die glutenfreien Getreide in unsere Ernährung einbeziehen: Hirse, Buchweizen, Quinoa, Amaranth, Polenta und Reis. Diese sind zudem für unseren Darm tendenziell bekömmlicher als die traditionellen Getreide.

Nährende Gemüse mit dem Hauptgeschmack süß sind Fenchel, Kürbis, Süßkartoffeln, Erbsen, Karotten, Kartoffeln, Blumenkohl und Brokkoli. Bei den Trockenfrüchten sind dies besonders Datteln, Feigen, Aprikosen und auch getrocknete Äpfel und Birnen. Wichtig ist, dass die Früchte reif geerntet werden.

Die Mitte nähren – dazu bedürfen wir der Süße in natürlichen Lebensmitteln ebenso wie in emotionalen Bereichen, im entspannenden Miteinander mit Freunden, bei einer wohltuenden Massage, im Erleben der Natur, mit einem inspirierenden Buch, einer erhebenden Musik, in stillen Momenten der Verbundenheit mit dem Atem in der Meditation. Für die Qualität unseres Lebens ist es wichtig, dass wir uns diese nährenden Momente auf allen Ebenen unseres Seins zugestehen und sie genießen – denn sie sind es, die uns Zufriedenheit schenken, uns nähren und stärken, so dass wir wiederum wohltuend und nährend für andere sind.

Autorinnen: Mary Dräger und Karoline Franksen, Heilpraktikerinnen und u. a. Azidosetherapeutinen aus dem Team WEG DER MITTE BenefitKur®, weitere Infos unter: www.wegdermitte.de

Als Anregung für einen gesunden Start in den Tag hier ein Rezept aus dem gerade neu erschienenen Kochbuch BenefitFoods® – vegetarische und vegane Köstlichkeiten aus der Geroder Klosterküche.

Polenta Frühstücksbrei
1 EL Ghee, 12 TL gemahlenen Koriander, 12 TL Kardamom, 100 gMinuten-Polenta, 1 EL Rosinen, 600 ml heißes Wasser, etwas Mandelblättchen, 12 EL Zimt und/oder etwas frischer Ingwer nach Belieben

Zubereitung:
Ghee in einen Topf geben und heiß werden lassen. Koriander und Kardamom dazugeben und einige Sekunden anrösten. Polenta und Rosinen dazugeben und ebenfalls anrösten. Dabei mehrmals umrühren. Den Topf von der heißen Platte nehmen. Unter kräftigem Rühren das heiße Wasser zufügen. Beiseite stellen und ausquellen lassen. Mit Mandelblättchen dekoriert servieren. Zimt und fein geriebenen Ingwer dazu reichen.


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