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Ausgabe Januar 2016
Terra Nova. Die Arbeit für eine neue Erde. Von Dieter Duhm


Mein Buch „Terra Nova“ heißt im Untertitel „Globale Revolution und Heilung der Liebe“. Damit habe ich zwei Begriffe gewählt, die bisher in krassem Widerspruch zueinander standen. Ich habe den Begriff der Revolution gewählt, um den Elan unserer Zeit aufzufangen und ihm eine neue Richtung zu geben. Die Probleme der menschlichen Gesellschaft können nicht durch Gewalt gelöst werden und auch nicht nur durch einen verbalen Pazifismus, sondern nur durch eine reale Veränderung der menschlichen Beziehungen in einer neuen Ordnung der Lebens und der Gemeinschaft. Die bisherigen Revolutionen waren immer gegen etwas gerichtet, die im Buch beschriebene Revolution besteht nicht mehr in einem Kampf gegen die bestehenden Mächte der kapitalistischen Globalisierung, sondern in einer profunden Arbeit für eine neue Welt ohne Angst, Gewalt und Lüge. Es geht natürlich auch um einen äußeren Machtwechsel im politischen und wirtschaftlichen Bereich, aber der folgt aus einem Machtwechsel im Inneren der Menschen. Die Seelenbilder, von denen die gegenwärtige Menschheit innerlich gelenkt wird, kommen meistens aus der Vergangenheit einer mehr als tausendjährigen Kriegsgeschichte.
Wir brauchen aber neue Seelenbilder für Liebe und Gemeinschaft, für die Natur und alles Göttliche, um diejenige Grundform des Lebens zu finden, die allen Bewohnern unseres Planeten als entelechiales Muster innewohnt.
Diese Bilder existieren in unseren Träumen, müssen aber jetzt materielle Gestalt annehmen in der sozialen und ökologischen Ordnung konkreter Gemeinschaften - wir nennen sie die „globalen Heilungsbiotope“. Es ist ein Systemwechsel vom System der morphogenetischen Kriegskultur, die auf Angst und Gewalt basiert, zu einer morphogenetischen Friedenskultur, die auf realem Vertrauen basiert.
Statt „Revolution“ hätte ich auch „Transformation“ sagen können. Es geht ja um eine wirkliche Transformation in allen Bereichen. Nur ist das Wort „Transformation“ etwas zu esoterisch belegt, es fehlt darin die erotische Lebenskraft. Die tatsächliche Transformation unserer Zeit findet weitgehend im Bereich zwischen den Geschlechtern statt. Sie besteht nicht im Rückzug in eine transzendentale Innerlichkeit (obwohl die auch gemeint ist), sondern im konkreten Aufbau neuer Lebensformen, in denen sich die Innerlichkeit, die seelische, die sexuelle wie die religiöse, frei entwickeln kann. Dazu gehören die Themen von Sex, Liebe, Partnerschaft, Vertrauen, Gemeinschaft und Einheit aller Wesen. Denn es gibt etwas in der Welt, was in allem dasselbe ist, wir nennen es die „Heilige Matrix“.

Die Verwirklichung der Liebe
Ohne die Erlösung in der Liebe gibt es keine erlöste Welt. Es kann in der Welt keinen Frieden gebe, solange in der Liebe Krieg ist. Kein junger Mensch würde sich dem „IS“ anschließen, kein kolumbianischer Paramilitär würde die Friedensarbeiter in San José ermorden und kein Polizist würde auf einen Flüchtling einschlagen, wenn sie aufgewachsen wären in einem menschlichen Milieu von Liebe und Vertrauen. Es hätte keinen Faschismus in Deutschland gegeben, wenn die Millionen Mittäter - infolge einer fatalen nationalistischen Tradition - nicht schon von Kindesbeinen an ihrer elementaren Bedürfnisse nach Wahrheit, Vertrauen und Gemeinschaft beraubt worden wären. „Vertrauen“ ist ein großes, tiefes Wort. Wo wirkliches Vertrauen unter Menschen entsteht, da wandelt sich die Welt. Vertrauen ist eine allertiefste menschliche und politische Vokabel. Wir müssen eine Welt aufbauen, die auf Vertrauen basiert. Vertrauen unter Menschen, Vertrauen zwischen Mensch und Tier, Vertrauen in die sichtbaren und unsichtbaren Heilungskräfte der Schöpfung. Das Projekt der globalen Heilungsbiotope, das ich in meinem Buch beschrieben habe, ist ein Netzwerk für den Aufbau einer globalen Vertrauensgemeinschaft.
Wir haben vor vierzig Jahren angefangen, eine solche Gemeinschaft aufzubauen. Die Grundfrage war: Wie können wir Menschen miteinander leben, und wie können wir uns in Gemeinschaften verbinden, ohne dafür einen äußeren Feind zu brauchen? Wir haben dann alle Fragen aufgenommen, die in der gegenwärtigen Wendezeit der menschlichen Gesellschaft aktuell sind: die Fragen von Sex, Liebe und Partnerschaft, die Fragen des Kinderaufwachsens, die Fragen einer autarken Versorgung mit Wasser, Energie und Nahrung, die Fragen des Zusammenleben mit allen Mitgeschöpfen wie Hunden, Katzen, Vögeln, Schlangen, Ratten, und es ging immer weiter, bis wir auch auf die Präsenz unsichtbarer Wesen trafen (Devas etc, siehe Findhorn), mit denen wir Menschen Kontakt aufnehmen können, wenn wir unsere Frequenzen darauf einstellen.
Wir haben im Zusammenleben mit Kindern und Tieren gesehen, wozu das Leben fähig ist, wenn es ohne Angst die Geschöpfe zusammenbringen darf. Wie total die Kinder ihre Eltern lieben, wie die Kleinkinder aufeinander zukrabbeln und sich umarmen; wie wilde Tiere - Wildschweine, Raubvögel, Schlangen - zu uns kommen und ganz offensichtlich den Kontakt suchen. Es ging noch viel weiter, denn wir konnten durch Kommunikation mit Wildtieren wie Füchsen und Mungos erreichen, dass sie nicht unsere Hühner nahmen, obwohl der Hühnerhof immer offen war. Und wir konnten uns mit den Wildschweinen darauf einigen, dass sie nicht in unsere Gemüsegärten gingen. Es war die Welt, die Eike Braunroth in seinen Friedensgärten gepredigt hatte. Wir erlebten und erleben jeden Tag mehr die Wahrheit einer auf Kommunikation und Zusammenkunft angelegten Welt. Terra Nova. „Toward the One“.

Das Leben als ein heiliger Raum
Mit unbeschreiblicher Macht wird hier etwas Neues hervorgebracht, mit dem wir uns verbinden können, weil es ständig in uns selbst lebendig ist. Diese Schöpfungskräfte sind auf Heilung gerichtet. Sie enthalten in sich das, was ich im Buch als das „entelechiale Programm“ beschrieben habe. Wer dies weiter verstehen möchte, möge mein Grundbuch „Die Heilige Matrix“ lesen.
Im Zentrum unserer Arbeit - und wahrscheinlich auch im Zentrum der ganzen Menschheit - steht ein neues Verhältnis der Geschlechter. Nichts wurde in unserer fünftausendjährigen Kriegsgeschichte so sehr zerstört wie die Liebe und das Vertrauen der Geschlechter. Tief hinter den Massakern unserer Zeit steht ein offener oder latenter Geschlechterkrieg, hervorgegangen aus der historischen Unterdrückung von Leib und Weib in der patriarchalen Epoche. Die Liebesprobleme, die wir heute in uns tragen, sind das Erbe einer schlimmen Geschichte. Ob wir wollten oder nicht, wir mussten im Laufe unserer Projektentwicklung uns immer intensiver mit diesem Thema auseinandersetzen, denn hier liegt ein Schlüssel für Glück oder Unglück des ganzen Lebens. Hier liegt das am allermeisten ersehnte und am meisten verleugnete Zentrum des menschlichen Glücks. Hier geschieht die tatsächliche, von Nietzsche formulierte „Umwertung aller Werte“, denn hier liegt die menschheitliche Tragik, die uns veranlasst hat, das zu bekämpfen, das wir einst so geliebt haben: die Lust, die unendliche Neugier, den Glauben an die Eltern, an die Heimat, an die Liebe, an die Wahrheit unter Menschen, den Glauben an eine höhere, heilige Welt, den Glauben an ein gewaltfreies und vertrautes Zusammenleben mit allen Mitgeschöpfen. Den Glauben an die Heilbarkeit unseres Planeten. Die Medien sind voll von den Geschichten des Untergangs. Wer von Heilung, gar von globaler Heilung spricht, wird als „Sekte“ beschimpft. Es ist ungeheuerlich, welche Art von Sektenverfolgung wir in Deutschland erleben mussten, als wir ab 1985 mit dem Stichwort „Sexpeace“ in die Öffentlichkeit traten. Dazu kam die weitverbreitete Nachricht, ich sei ein Nachfolger von Otto Mühl. Meine öffentlichen Stellungnahmen zu diesem Thema wurden nirgends abgedruckt. Ich war vor 40 Jahren tatsächlich ein engagierter Gast auf dem Friedrichshof von Otto Mühl, ich habe dort viel gelernt und ich habe vehement gelernt, wie man es nicht machen darf. Aber die Medien, auch die linken, waren so gierig auf die Sektennummer, dass sie keine Korrektur abdrucken wollten. Die positiven Informationen, die später in Wikipedia über Dieter Duhm verbreitet worden waren, wurden sogleich gelöscht und durch gemeine Falschmeldungen ersetzt. Wir mussten tatsächlich nach Portugal auswandern, wo wir dann das Friedensforschungsdorf Tamera gründeten.
„Sexpeace“: das bedeutet freie Sexualität, aber nicht im Sinne einer beliebigen Promiskuität und auch nicht im Gegensatz zu einer lebenslangen Partnerschaft, sondern im Sinne von Kontakt und Vertrauen. Aber Kontakt und Vertrauen müssen erst einmal hergestellt werden. Dafür haben wir im Projekt die neuen Formen von Kunst, Theater und Selbstdarstellung entwickelt, die wir brauchten, um die Gemeinschaft im Inneren zusammenzuführen. Dazu kam der Aufbau einer Liebesschule, wo Eros und Religion in einer seelischen Synthese vereinigt sind. In dieser Schule geht es auch um die Auferstehung der weibliche Quelle. Die Frauen sind zu wirklichen Partnerinnen geworden, deshalb kommen so viele Frauen nach Tamera. Hier werden neue Weichen gestellt. Das ist der tiefste Grund, warum heute Menschen aus aller Welt nach Tamera kommen. Sie waren vielfach schon beteiligt in linken oder alternativen Gruppen und haben sich als Friedensaktivisten betätigt, aber es fehlte das überzeugende Ziel und der feste Glaube an die Machbarkeit einer humanen Welt.
Viele Menschen kommen heute nach Tamera, um im Bereich von Ökologie oder Technologie mitzuarbeiten. Wir sind sehr dankbar dafür. Aber im Innersten kommen sie auch, um eine Antwort zu finden für ihr Kernthema von Sex, Liebe und Gemeinschaft. Hier liegen die Kernfragen unserer Zeit, das wissen auch die sensibelsten Mitarbeiter im Silicon Valley, die jetzt langsam den Kontakt zu Tamera aufnehmen.
Ein Kernbereich von Tamera arbeitet an neuen Entwicklungen für eine Gesamttechnologie der Zukunft. In jährlichen Symposien treffen sich hochinspirierte Physiker, Technologen und Wasserforscher für die Verwirklichung eines globalen Modells, welches überall angewendet werden kann. Es geht um eine Kombination der Entwicklungen von Viktor Schauberger, Sepp Holzer, Rajendra Singh, John D. Liu, Jürgen Kleinwächter und etlicher anderer, durch deren Zusammenarbeit ein realistisches Modell für eine Welt ohne Hunger aufgebaut werden kann. Derzeit werden diese Modellansätze weltweit in einigen Ländern (Jordanien, Australien, Neuseeland, Indonesien, Kalifornien, Kenia) erprobt.
Die Revolution oder Transformation unserer Zeit besteht in der Überwindung und Auflösung alter Lügengeschichten und Verstellungen und in der Wiedereraneignung der verlorenen Kräfte.
Das ist nicht nur ein individuelles Thema, sondern vor allem ein soziales und globales. Wir brauchen nicht die individuelle Therapie, sondern die Therapie der ganzen Menschheit. Die inneren Werte brauchen die Verankerung in einer neuen sozialen Struktur, einen „Masterplan der Solidarität“, um dauerhaft wachsen zu können. Die Zentren der neuen Kultur sind Gewächshäuser des Vertrauens.
Die Revolution ist seit Jahrtausenden eine Aktion der Gewalt gewesen, und Gewalt erzeugt neue Gewalt, ohne die inneren Strukturen, die zur Gewalt führen, zu verändern. Heute hat die globale Gewalt ihren Höhepunkt erreicht in den Methoden der kapitalistischen Globalisierung. Hier werden - oft in der subtileren Form von politischen und wirtschaftlichen Verträgen (Erpressungen) und dem Einsatz von Geheimdiensten und Militär - Völker, Menschen und Tiere einfach ausgelöscht. Es ist ein diabolischer Plan. Auf gleicher Augenhöhe muss die Friedensbewegung einen globalen Plan entwickeln, der „stärker ist als alle Gewalt“, wie es in der Bibel steht.
Wir leben in ein einer apokalyptischen Wendezeit. Die menschlichen Katastrophen verbinden sich mit Wetterkatastrophen, die sich zur Zeit zu einem globalen Wetterphänomen zuspitzen, welches den freundlichen Namen „El Nino“ trägt. Die Terrorbewegung des „Islamischen Staats“, das Flüchtlingsdrama und die Wetterkatastrophen sind Eruptionen einer falsch gelenkten Lebensenergie. Um dieses namenlose Leiden zu beenden, brauchen wir eine Grundmatrix des Zusammenlebens, welche uns befähigt, diese Energien in eine neue Richtung zu lenken. Die Evolution braucht eine neue Richtung. Wir Menschen brauchen eine neue Botschaft. „Botschaft“ ist ein großes Wort. Tamera liefert noch keine fertige Botschaft, aber wir erforschen konkret die Bedingungen einer neuen Friedenskultur für die ganze Erde. Es ist nicht immer leicht, mit 150 Menschen schmerzfrei zusammenzuleben. Aber die Richtung einer gewaltfreien Welt für Mensch und Natur ist ein ultimatives Ziel. Wir bauen an einem globalen Netzwerk und einer globalen Bewegung, wir nennen sie „Terra Nova“.
Mögen alle Gruppen und Kommunen, welche nach einer neuen Grundlage suchen, sich diesem Netzwerk anschließen. Mögen sie mithelfen, diese Erde in jenes Paradies zu verwandeln, für das sie in einem höheren Schöpfungsplan vorgesehen ist. Wir stehen am Beginn einer neuen planetarischen Gemeinschaft. Im Namen unserer Kinder, im Namen der Liebe und der Solidarität mit aller Kreatur.


zu Dieter Duhm: Der in Berlin 1942 geborene Kunsthistoriker, Psychoanalytiker und promovierter Soziologe ist seit den siebziger Jahren bekannt als Autor. Sein Buch Angst im Kapitalismus wurde zum Bestseller der „linken Bewegung“. Prozesse wegen Landfriedensbruch, Amnestie durch Bundespräsident Heinemann. Einige Jahre Arbeit in der marxistischen Linken, danach Streifzüge durch Landkommunen und Alternativprojekte. Zwei Jahre psychoanalytische Praxis, die er mit politischen Inhalten verbinden und in kollektive Heilungsarbeit übersetzen möchte. Drei Professur-Angebote, die er ablehnte. Es folgten einige Besuche auf dem österreichischen Friedrichshof, geleitet von dem Künstler Otto Mühl. Dort führte er eine ideologische Auseinandersetzung, die zu einer endgültigen Trennung führte. 1976 geht er für fünf Monate in eine Einsiedelei in Niederbayern, um nachzudenken. Ab Frühjahr 1978 Aufbau des Projekts „Bauhütte”. Neben ökologischer Pionierarbeit Einführung der freien Sexualität, was in der deutschen Öffentlichkeit zu den heftigsten Verleumdungen führte. 1990 Umzug nach Lanzarote, wo er verstärkt seinem Hang zur Malerei folgt, und 1995 nach Portugal, wo er mit seiner Partnerin Sabine Lichtenfels zusammen das Projekt „Tamera” aufbaut, ein Zentrum für konkrete Utopie und internationale Friedensarbeit. Veröffentlichung des Buches „Die Heilige Matrix”, Aufbau des „politischen Ashrams”, der Friedensschule von Tamera. Heute leitet er die Abteilung für Kunst und Heilung und arbeitet zusammen mit Sabine Lichtenfels und einigen anderen am Masterplan einer planetarischen Friedensgemeinschaft. Weitere Informationen: www.dieter-duhm.com

Buchtipp: Dieter Duhm, Terra Nova - Globale Revolution und Heilung der Liebe, 240 S., Hardcover, 17,80 € Meiga Verlag 2015

Bildhinweis: Tamera: Schule und Forschungsstation für konkrete Utopie
Seit 1995 in Portugal, leben und arbeiten heute dort auf einem Gelände von 130 Hektar ca. 170 Menschen.


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