aktuelle Seite: ARTIKEL   
Ausgabe November 2012
Frauen-Rituale. Von Petra Hinze


Frauen haben ihr eigenes kulturelles Erbe in einer matrilinearen europäischen Kultur. Bis zur Zerstörung dieser galt der weibliche Körper und der Menstruationszyklus der Frau als heilig. Dieser Zyklus wurde auch als Tabu bezeichnet. Die ursprüngliche Bedeutung von Tabu ist ebenfalls: heilig.
Die weibliche Natur ist zyklisch wie die Quelle der weiblichen Energie. Der Zyklus der Menstruation ist der Inbegriff des archetypischen Weiblichen. In ihm spiegeln sich die Zyklen der Natur, wie beim rhythmischen Wechsel der Jahreszeiten oder den Gezeiten des Mondes. Gleichzeitig spiegelt er den Schöpfungsprozess, Leben und Sterben. Wegen dieser grundlegenden Verbindung mit dem Kreislauf der Natur wurden Frauen von vielen Stämmen geschätzt, geachtet und geehrt, wurden ihre Träume ernst genommen und in gesellschaftlichen Fragen eingebunden. So gab es auch Mondhütten, Orte für blutende Frauen, heilsame Räume, Orte des Rückzugs, der Reinigung.
Bereits in der Altsteinzeit glaubten die Menschen an Tod-und Wiedergeburt, was sich aus ihren Bestattungsriten schließen lässt. Es waren Frauen, die in den großen Kulthöhlen den Kult von Tod und Wiedergeburt ausführten und mit den Ahnengeistern in Kontakt traten. Die Ahnenverehrung und der Wiedergeburtsglauben sind eng miteinander verbunden und gehören zusammen. In Grabkammern wurden zahlreiche Venusfiguren gefunden, die die Verehrung der Göttin darstellen. Der Leichnam wurde mit rotem Ockerpigment bedeckt, was die lebensspendende Kraft des weiblichen Blutes symbolisierte. In einigen heidnischen Bräuchen wurde das Menstruationsblut auch als Trance, Heil und Zaubermittel eingesetzt.
Frauen wurden in die weiblichen Zyklen per Initiation eingeführt. So konnten sie entsprechend ihren Alters ihre eigene Position und gesellschaftliche Stellung beziehen. So konnte sich das Bewusstsein auf den Wechsel und die neuen Aufgaben ausrichten. Diese Übergangsriten wurden immer festlich begangen. Die erste Einweihung fand statt mit dem Eintritt in die Fruchtbarkeit, mit der ersten Blutung. Ihre Kraft entspricht dem aufgehenden Sichelmond, sie ist dem Frühling zugeordnet und ist erst im Begriff ihre Kraft zu entdecken. Der Zustand ist der des Lernens. Die reife Frau entspricht dem Vollmond und steht in der Blüte des Lebens. Sie ist die Liebende, Fruchtbarkeit spendende Ernährerin und Mutter, auch die faszinierende erotische anziehende Frau. Ihre Fruchtbarkeit ist nicht beschränkt auf das Kinderkriegen. Das erziehen der Kinder war Gemeinschaftsaufgabe. Der Auftrag in dieser Zeit war es, die Kraft schöpferisch einzusetzen und gute Lebensbedingungen zu schaffen. Ihr ist der Sommer zugeordnet. Die Jahre des Wechsels bedeuten dann den Eintritt in die Zeit der weisen Alten, dem letzen Zyklus, dem immer eine besondere Bedeutung beigemessen wurde. Der Weg zum Wissen führt über die weise Frau, die Großmutter, die erfahrene Hexe. So geht es in den letzten Jahren um eine Phase der Selbstkreation, auch darum die jungen und reifen Frauen zu schützen.

Petra Hinze ist Heilpraktikerin für Psychotherapie & Schamanische Heilkunde. weitere Infos auf www. petra-hinze.de
Buchhinweis: Göttin der Gezeiten, Frauenkörper


Weitere Informationen werden im Archiv nicht angezeigt.