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Ausgabe November 2011
Kontakt zu den Ahnen Petra Hinze

Petra Hinze arbeitet als Schamanin und erzählt im Gespräch mit Haidrun Schäfer von ihren Erfahrungen.

Haidrun Schäfer: Kann man sagen, dass Schamanen Menschen sind, die Dank einer geschulten Gabe die Fähigkeit haben, in die nicht-alltägliche Wirklichkeit zu reisen?
Petra Hinze: Ja. Wobei man zwei Ebenen unterscheiden muss. Schamanen können bewusst mit bestimmten Techniken in Trance gehen und in diesem Zustand z.B. einen Vorfahren zu sich hineinlassen, der dann zu ihnen spricht. Die Kunst ist, das eigene Ego wegzulassen und nur noch Kanal zu sein, damit eine andere Kraft aus einem heraus sprechen kann. Eine andere Ebene sind die schamanischen Reisen oder Entspannungsreisen oder auch Traumreisen, die jeden Menschen in die nicht-alltägliche Wirklichkeit führen. Insofern kann wirklich jeder den Weg dorthin finden.

Wozu nutzen Sie persönlich Ihre schamanischen Fähigkeiten?
Ich arbeite sehr vielfältig. Zum einen biete ich Einzelsitzungen an, d.h. jemand kommt mit einem Problem zu mir und ich bitte dann quasi als Mittler um Antworten oder Hilfestellungen aus der Anderswelt. Diese Antworten können ganz unterschiedlich sein. Oft sind es Ahnen, die Antworten haben oder sogar alte Geheimnisse lüften. Manchmal bekomme ich während einer Sitzung auch Botschaften von Pflanzen, dass derjenige eine bestimmte Heilpflanze einnehmen sollte. Manchmal melden sich Krafttiere, die dann in einer akuten Situation Unterstützung bieten oder aber auch denjenigen weiter in seinem Leben begleiten.
Außerdem biete ich mit Christel schamanische Reisen als Gruppensitzungen an, die bestimmte Schwerpunkte haben. Erst gestern sind wir über Drachenreisen in die Welt der Mythologien eingetaucht. Bei solchen Abenden wird ein Thema oder ein Ziel vorgegeben und ich begleite die Teilnehmer quasi als Reiseleiterin auf den Weg. Anschließend werten wir in einer Gesprächsrunde aus, was bei den einzelnen Teilnehmern zu Tage kam und welche Aufgaben jemand gerade übernehmen sollte oder wo er steht.

Bleiben wir bei der Möglichkeit, Kontakt mit den Ahnen herzustellen. Es heißt, dass die Seelen der Verstorbenen entweder ins Licht finden oder aber in einer Zwischen-ebene verweilen. Wenn Sie Kontakt mit Ahnen aufnehmen – auf welcher Ebene befinden die sich?
Das ist unterschiedlich. Man kann durchaus mit Seelen kommunizieren, die nicht ins Licht gefunden haben und sogar richtig mit ihnen sprechen. In den meisten Fällen wissen sie gar nicht, dass sie tot sind. Oft haben diese Menschen einen tragischen Tod erlitten. Neulich hatte ich Kontakt mit einer verstorbenen Frau, die vier Kinder zurückließ. Sie konnte gar nicht gehen, weil sie dachte, dass sie noch für ihre Kinder sorgen musste. Ich kann dann die Aufgabe übernehmen und ihr erklären, dass sie gestorben ist und aus der Lichtebene viel mehr für ihre Familie tun kann als aus dieser Zwischenebene.

Wie bekommen Sie denn Kontakt zu dieser Mutter?
In diesem Fall hatte ich zu Beginn der Sitzung Kontakt zu meiner Großmutter aufgenommen und sie gefragt, ob sie mir helfen kann. Sie stellte dann den Kontakt zu dieser früh verstorbenen Mutter her, bzw. informierte mich darüber, dass es diese Seele überhaupt gibt, die noch nicht im Licht ist. All das macht deutlich, dass Leben und Tod unmittelbar miteinander verbunden sind. Wir leben als physische Menschen auf dieser Erde, aber auf einer anderen Ebene können wir Kontakt zu Menschen aufnehmen, die gestorben sind.

Manche Menschen haben das Gefühl, in ihrem Leben eine Last auf den Schultern zu tragen. Können das auch Altlasten von Ahnen sein?
Man sagt, dass ein ungelöstes Problem – unabhängig davon, ob es sich um ein eigenes oder Familienproblem handelt – bis zu sieben Generationen weit zurückverfolgt werden kann. Wenn Menschen dieses Gefühl einer Last haben, dann beinhaltet das oft auch gleichzeitig die Fähigkeit, in der Lage zu sein, alte familiäre Probleme zu lösen. In solchen Fällen ist es hilfreich, sich Unterstützung zu suchen, um die alten Geheimnisse zu lüften. Manchmal sind Probleme auch „nur“ Hinweise, dass derjenige über bestimmte Heilfähigkeiten und Kräfte verfügt, die er bisher nicht angenommen hat. In so einem Fall kann man die Ahnenreihe zurückgehen und gucken, ob es dort jemanden gibt, der die Kraft übergeben möchte. Bei mir war das meine Urgroßmutter: Sie hatte hellsichtige Fähigkeiten und wollte mir diese Fähigkeit übertragen. Natürlich braucht es Bereitschaft und auch Mut, Dinge zu verändern. Gerade der November ist übrigens ein Monat, in dem es günstig ist, sich mit der eigenen Ahnenreihe zu beschäftigen.

Wie sind Sie mit Ihren schamanischen Fähigkeiten in Berührung gekommen?
Es gab u.a. ein Erlebnis auf einer Reise in Indien, auf der mir jemand aus der nicht-alltäglichen Wirklichkeit einen Besuch abstattete und mir Bilder an den Wänden zeigte, die andere nicht sehen konnten und mir Töne vorspielte, die die anderen nicht hörten. Ein anderes Phänomen war, dass ich den Telefonhörer in die Hand nahm und Informationen erhielt, die mein Gesprächspartner zwar gedacht, aber nicht gesagt hatte. Was mich am Anfang verwirrte, führte mich später dazu, eine schamanische Ausbildung zu machen und meine Fähigkeiten zu schulen.

Welche Ausbildung haben Sie dann gemacht?
Ich habe mich für eine schamanische Ausbildung mit keltischem Schwerpunkt entschieden, denn schließlich lebe ich in Europa und möchte mit diesen Wurzeln arbeiten. Sämtliche schamanischen Traditionen haben Kontakt mit der nicht-alltäglichen Wirklichkeit und arbeiten mit den Ahnen. Für alle gilt, das alles Leben beseelt ist – das ist bei allen gleich. Der keltische Schamanismus beinhaltet viel Wissen über Kräuter und Bäume, über die Jahreszeitenfeste und darüber, wie wir an die Zyklen der Natur angebunden sind. Jeder Zyklus beinhaltet aufbauende oder abbauende Arbeiten und die kann man mit Lebensthemen in Verbindung bringen. Der November ist ein Monat, in dem es oft nebelig ist und Nebel gehört in das Reich der Ahnen. Deshalb ist der Schleier, der uns von der Welt der Ahnen trennt, hier am dünnsten und deshalb ist es hier leichter, Kontakt aufzunehmen. Das, was wir heute als Kirchenfeste kennen wie z.B. Totensonntag oder Allerheiligen, das sind alte keltische Zeitfenster, die eine Zeit markieren, wo der Kontakt leichter herstellbar ist. Den können wir mit ganz einfachen Mitteln zelebrieren, indem wir eine Kerze aufstellen oder das Grab eines Verstorbenen liebevoll schmücken. Im November und in den Rauhnächten ist es einfach leichter möglich, Kontakt mit den Ahnen aufzunehmen.

Und was wird über den Kontakt zu den Ahnen möglich?
Erst einmal die bewusste Annahme, dass es uns ohne unsere Ahnen nicht gäbe. Egal welche Geschichte hinter jeder einzelnen Persönlichkeit steht – unsere Ahnen sind unsere Herkunftsfamilie. Aus diesem Grund tragen wir das körperliche, geistige und seelische Potenzial als Anlage in uns und geben es an unsere Nachkommen weiter. Es geht darum, sie mit Achtung und Respekt zu ehren und uns mit ihnen auszusöhnen. Dann können wir verstärkt innere Kraft und Selbstbewusstsein entwickeln. Außerdem können wir die Ahnen um Rat und Schutz bitten oder aber sie können unsere spirituellen Lehrer sein. Im Medizinrad ist der Platz der Ahnen im Südosten. Deshalb ist es sinnvoll, dort einen Altar zu errichten, Bilder zu platzieren und Räucherstäbchen oder eine Kerze anzuzünden. Schon durch einen herzlichen Gedanke an sie entsteht die Verbindung und sie können uns mit Zeichen antworten.
Vielen Dank für die Informationen und alles Gute für weitere Erkenntnisreisen.










Petra Hinze ist Heilpraktikerin und Schamanin. Sie bietet Einzelsitzungen, regelmäßige Abendkurse, Rituale, Ausbildungen und Reisen an.
www.petra-hinze.de


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